Der Frühschoppen

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Wenn Freunde Sie in Berlin unverhofft zu einem Frühschoppen einladen, Sonntags gar, dann kann es Ihnen passieren, dass Sie sich nicht einfach mit einem Kindl-Pils in irgendeiner Kiez-Kneipe wiederfinden, dann kann es sein, dass Sie jetzt ganz zufällig den Frühschoppen entdeckt haben. Die dienstälteste Lesebühnentruppe der Stadt. »Fünf Kerle und Frau Schmidt«, wie Thomas Pigor und der Ulf sie in ihrer eigens für dieses Sonntagsvergnügen geschriebenen Titelmusik nennen. Laut geht es los, und wenn dann die Akteure als dreiste Dienstleister an der öffentlichen Meinung die Bühne stürmen, werden sie nach kurzer Begrüßung sogleich die allfälligen Wirrnisse der eben vergangenen Woche zerpflücken. Oberflächlich! Also, um es positiv auszudrücken: gewollt ungründlich, immer parteiisch und oft pointiert.

Ein echter Frühschoppen eben, der Name ist Programm. Öffentliches trifft hier auf Privates. Vermeintlich provokantes Weltgeschehen entpuppt sich, bar des darum gemachten Mediengeheuls, urplötzlich als Banalität. Und in den meist privaten Geschichten, die die Autoren dann vortragen, da offenbart sich häufig eine andere Sicht dieser Welt. Eine ganz eigene, sehr alltägliche, die keiner Zeitung je eine Schlagzeile wert wäre. Ein Leben zwischen Aufstehen und Zubettgehen, wo die Frühjahrsonne zum Fensterputz ruft, wo Billigflieger nach Luton locken wollen und wo Berliner S-Bahnen gradewegs ins Grauen entführen.

Viele Zuseher, die diesen, so schwer in Schubladen zu zwängenden Frühschoppen irgendwann zufällig entdeckt haben, die dort den Autoren beim Lesen und Singen, beim Improvisieren und Polemisieren gelauscht haben, kommen wieder. Wieder und wieder. Im 17. Jahr tritt der Frühschoppen nun schon auf. Im Frühschoppen, so Aushilfssänger der Frühschoppboys, Vorleser und Merchandisingstand-Betreuer Jürgen Witte finden sich heute mitunter gar Zuschauer ein, die Berlin schon vor Jahren wieder verlassen haben, und die jetzt beim Berlinbesuch, sich im Frühschoppen sofort wieder heimisch fühlen. »Schon komisch, wenn man für die Zuschauer ein Teil von ihrem persönlichen Berlinbild geworden ist.Man kommt sich manchmal fast so vor, als wie ein Brandenburger Tor.« »Wortwitz!« schallt es da gleich aus dem Kollegenkreis, »das kostet fünf Euro in die Kalauerkasse! Vom hupelnden Versfuß mal ganz abgesehen!«

Jeden Monat spielt der Frühschoppen ein neues, aktuelles Programm, jede Woche gibt es Sonntags Mittags ab ein Uhr eine frische Vorstellung. Etwa 80.000 Zuschauer haben diesen ganz speziellen Frühschoppen nun schon besucht. Grund genug für die sechs Akteure, denen übrigens auch der längst zu Solo-Star-Ruhm gelangte Horst Evers angehört - hier hat auch er sein Handwerk als Pointensetzer gelernt - Grund genug also für die Frühschoppen-Crew nun zum zweiten Mal eine Vorlese-CD mit ihren Texten vorzustellen. Eine Doppel-CD ist es geworden, »Frühschoppen: Live im Wedding« heißt sie, und es ist den Akteuren gelungen, die Atmosphäre ihrer Show, ihren lockeren Umgang miteinander und mit ihrem Publikum auch auf Platte zu konservieren.

Ist es Literatur oder ist es Comedy? fragt man sich. Man fragt es auch mal vorsichtig in die Runde. »Wenn alles, wo gelacht wird nur Comedy wäre, das wäre schon ziemlich traurig, für den Humor. Als Ganzes gesehen. Der Humor ist doch im Grunde ein sehr netter Kerl, der hat echt was Besseres verdient als immer wieder diese fernsehformatierte Comedy!« Wer hatte das jetzt noch gesagt? »Ich glaube, das könnten wir alle unterschreiben!« Spricht’s, langt nach des Journalisten Notizblockund zückt einen Stift. Autogrammjäger bitte vortreten. Die neue CD als Unterlage ist endlich da.

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